Von links: Ruth, Tamara und Susanne Cohn, September 1939.
Nach dem Novemberpogrom stieg die Zahl der Juden, die verzweifelt nach einer Möglichkeit suchten, aus Deutschland zu fliehen, stark an. Allerdings waren nur wenige Länder bereit, sie aufzunehmen. Für die Einwanderung in das Mandatsgebiet Palästina wurden von den britischen Behörden Höchstkontingente festgelegt, die alle sechs Monate bekannt gegeben wurden. Die besten Chancen auf ein Visum hatten junge Menschen, die als Arbeiter in der Landwirtschaft eingesetzt werden konnten. 1935 wurde dem 15-jährigen Ernst Abraham Cohn, Willy Cohns Sohn aus erster Ehe mit Ella (geb. Proskauer), ein Einwanderungszertifikat der Kategorie Jugendalija – einem Programm, das jüdische Jugendliche bei der Auswanderung aus Nazi-Deutschland unterstützte – erteilt. Auch seine Schwester Ruth gelang 1939 die Ausreise aus Deutschland. Willy Cohn und seine zweite Frau Trudi (geb. Rothman) schafften es dagegen nicht, Einwanderungszertifikate oder Visa zu erhalten, die ihnen und ihren beiden Töchtern Susanne und Tamara die Ausreise ermöglichen würden. Alle vier wurden 1941 in das von den Deutschen besetzte Kaunas deportiert, wo sie zusammen mit anderen Breslauer Juden ermordet wurden. Diese beiden Fotos erinnern an die Momente des Abschieds.