RELIGION

Das Emanzipationsedikt von 1812 war für die Juden im Königreich Preußen ein wichtiger Schritt in Richtung Gleichstellung und der Gewährung voller Bürgerrechte. Im Fall von Breslau ermöglichte das Emanzipationsedikt die weitere Inklusion der jüdischen und nichtjüdischen Bewohner der Stadt und führte zu Veränderungen in der Einstellung zu religiösen Praktiken und der Haltung gegenüber fremden Traditionen. 1843 sprach der Breslauer Rabbi Abraham Geiger die Gebete erstmals in deutscher Sprache anstatt auf Hebräisch. Geigers fortschrittliche Ansichten zur Feier der Gottesdienste in deutscher Sprache, zur Modernisierung der jüdischen Speisegesetze und zur Abkehr von der rituellen Beschneidung wurden von einem Teil der Gemeinde unterstützt. Mit der Zeit wuchs jedoch die Kluft zwischen den von Geiger repräsentierten liberalen oder progressiven Juden und den Mitgliedern der von den Rabbinerfamilie Tiktin geführten Gemeinde, die in Bezug auf Tradition und Religion einen eher orthodoxen Ansatz verfolgten. Beide Gruppen entfernten sich so weit voneinander, dass sie sich schließlich in zwei getrennten Gotteshäusern zum Gebet versammelten: der Synagoge zum Weißen Storch, die zum Zentrum der orthodoxen Gemeinde wurde, und der sogenannten Neuen Synagoge, deren Bau 1872 abgeschlossen wurde. Zur offiziellen Spaltung der Gemeinde kam es jedoch nie. Der jüdische Historiker Willy Cohn beschrieb die Natur dieser Abgrenzung wie folgt: „Damals ging es eher um Differenzen zwischen zwei Brüdern, die unterschiedliche Meinungen vertreten, was aber nicht bedeutet, dass sie sich feindlich gesinnt sind.“ Breslau wurde auch Sitz des einflussreichen Jüdischen Theologischen Seminars, dessen erster Direktor Rabbi Zacharias Frankel sich in Bezug auf die jüdische religiöse Praxis für einen Mittelweg aussprach und als geistiger Vater des konservativen Judentums gilt.

  • Etrog-Schatulle, Anfang 20. Jh.

    3D-Modell, Artikel

    Der Etrog-Behälter wird während des Sukkot- oder Laubhüttenfestes verwendet, mit dem daran erinnert wird, wie die Juden nach ihrer Flucht aus Ägypten in Hütten in der Wüste lebten. Diese Holzschatulle wurde von Benno Sklarz, dem Besitzer eines koscheren Milchladens in Breslau, hergestellt. Sein Sohn Salo nahm sie mit, als er 1939 nach London floh, und […]

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  • Die sämtlichen Festgebete der Israeliten: Gebete für das Pessachfest (Übersetzt und mit Anmerkungen erklärt von M. Letteris), Prag und Breslau 1900.

    Publikation

    Das Pessachfest wird im Frühling gefeiert und erinnert an die biblische Befreiung der Juden aus der ägyptischen Sklaverei. Dieses zweisprachige, hebräisch-deutsche Pessach-Gebetbuch gehörte der Familie Zadik und erschien 1900 im Verlag von Jakob Berman Brandeis in Breslau und Prag. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfreuten sich Übersetzungen von Gebetbüchern und anderen religiösen Texten […]

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  • Besamimbüchse (Behälter, in dem duftende Gewürze aufbewahrt werden), 19. Jh.

    Artikel

    Dieser Besamimturm, ein Behälter für duftende Kräuter und Gewürze, der am Ende des Schabbats verwendet wird, gehörte ursprünglich Emanuel Falk, dessen Bar Mizwa-Rede wir Ihnen beschrieben haben. Einer seiner Nachkommen, Siegfried Falk, nahm die Besamimbüchse mit, als er Breslau 1936 verließ und sie reiste mit ihm um die halbe Welt: zunächst nach Kopenhagen, dann nach […]

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  • Foto von der Bat Mizwa von Hilde Bornstein (später Herz), 1919.

    Foto

    Mit dem Aufkommen des liberalen Reformjudentums konnten auch Mädchen ihren Eintritt ins Erwachsenenleben feiern – bei der Bat Mizwa. Auf diesem Foto posiert die fünfzehnjährige Hilde Bornstein mit ihren Freunden und dem Rabbiner, der sie auf die Zeremonie vorbereitet hat. Drei Jahre später heiratet Hilde Walter Herz und betreibt mit ihm ein Schuhgeschäft im Oppenheim-Haus.

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  • Tefillin und Tefillinbeutel, Anfang 20. Jh.

    Artikel

    Tefillin sind zwei kleine Kapseln mit Riemen, die kleine Pergamentrollen mit handgeschriebenen Texten aus der Tora zu rituellen Geboten enthalten. Zum täglichen Gebet binden orthodoxe Juden eine Schachtel mit dem Riemen an ihre Stirn und die andere an ihren linken Arm. In Heinrich Tischlers Tefillin ist der hebräische Buchstaben Schin (ש) eingearbeitet, der einen der […]

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  • Armbanduhr – Bar-Mizwa-Geschenk für Hans Falk, 1932.

    Artikel

    Weltliche Bräuche wie das Organisieren von Feiern und Geschenke für den Jungen wurden zunehmend Teil des Bar Mizwa-Festes. Ein begehrtes Geschenk war beispielsweise eine Armbanduhr, wie sie Hans Falk, der Enkel von Emanuel Falk, 1932 zu seiner Bar Mizwa bekam.

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  • Bar-Mizwa-Rede von Emanuel Falk, 1845.

    Dokument

    „Ich kenne jetzt sowohl meine Pflichten gegenüber Gott als auch mir selbst und meinen Nachbarn gegenüber“, erklärte Emanuel Falk bei seiner Bar Mizwa. Sie fand 1845 in der Sklower Synagoge statt, einem kleinen Bethaus im ersten Stock im Hinterhof der Goldenen Radegasse 2 (ul. Kazimierza Wielkiego unweit der Kreuzung mit der ul. Ruska). Emanuels Rede […]

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  • Tallit (Gebetsmantel) Tallitbeutel von Bruno Falk, 1894.

    Artikel

    Während der Bar Mizwa tragen jüdische Jungen zum ersten Mal besondere Gebetskleidung. Eines ihrer Elemente ist der Tallit – ein Schal, der um die Schultern getragen wird. Bruno Falk feierte 1894 seine Bar Mizwa und betete wahrscheinlich für den Rest seines Lebens in diesem Tallit. In einem kleinen Samtbeutel aufbewahrt, ist er zwar verblasst, hat […]

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  • Erinnerungsblatt zu Alfred Neuländers Bar Mizwa, 1925.

    Dokument

    Auf der Widmungsseite aus Alfred Neuländers Gebetbuch ist eine Szene dargestellt, wie die religiösen Gesetze von Generation zu Generation weitergegeben werden. Im Hintergrund ist die über Breslau thronende Neue Synagoge zu sehen: Erbaut zwischen 1865 und 1872, diente sie nicht nur als Gebetsstätte für die liberale jüdische Gemeinde, sondern auch als Konzertsaal mit einer wunderbaren […]

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  • Israelitisches Gebetbuch für die öffentliche Andacht des ganzen Jahres von Rabbiner Dr. Manuel Joël, durchgesehen von Professor Dr. Jakob Guttmann, Rabbiner der jüdischen Gemeinde, Breslau, 1897.

    Publikation

    Der dreizehnjährige Alfred Neuländer erhielt dieses Gebetbuch für das gesamte jüdische Kirchenjahr als Geschenk zu seiner Bar Mizwa, mit der sein Übergang ins Erwachsenenleben und der Zeitpunkt gefeiert wird, ab dem er als Junge selbst dafür verantwortlich ist, die religiösen Gebote der Tora einzuhalten. Das Gebetbuch enthält Kommentare der Rabbiner der liberalen jüdischen Gemeinde Breslau […]

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